Aus der Geschichte eines alten Bördegasthofes

Am Nordrande der Börde beherrscht ein ragender Turm weithin die Landschaft. Es ist der alte Hausmannsturm des Schlosses von Alvensleben, der das Wahrzeichen des Dorfes Erxleben bildet. Die Geschichte des Dorfes ist alt. Schon 1021 wird es zum ersten Male urkundlich erwähnt als Arriksleua. Die Lage des Dorfes an der alten Heerstraße Magdeburg-Braunschweig hat der Ort oft hineingezogen in die großen Ereignisse der Geschichte. Er hat die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges kennen gelernt, Pest und Seuchen wüteten in seinen Mauern, und eine wilde Soldateska ist oft durch seine Straßen gezogen und hat die Bevölkerung in Angst und Schrecken ersetzt. 

Das 250jährige Gasthaus "Zur goldenen Krone" in Erxleben

Ein Vierteljahrtausend bewegter Geschichte hat der alte Gasthof „Zur goldenen Krone" miterlebt. In lateinischen Worten ist an dem Saumschwell des alten Fachwerkhauses zu lesen:

„Das Hochedle Ehepaar Johann und Auguste Christine von Alvensleben haben diese Herberge zu Nutz und Frommen der Wanderer auf ihre Kosten im Jahre 1676 nach Christi Geburt erbauen lassen."

250 Jahre also schon steht das Gebäude. Aber die schweren Stürme, die in all den Jahrhunderten um die Giebel brausten, haben dem Bau nichts anhaben können. Mit stolzem Selbstbewußtsein auf seine alte Tradition steht er noch heute an dem freien Platze inmitten des großen Dorfes. Auch heute noch dient er dem gleichen Zwecke, zu dem er damals bestimmt war, Nachtlager und Verpflegung dem müden Wanderer zu bieten. Der Zug der Moderne ist nicht bis an seine Mauern gedrungen. Der alte, ehrwürdige Gasthof hat sich nicht gewandelt zu einem „Hotel". Und das ist gut so. Wohl hat der Unterbau des Gasthofes einen neuen Verputz erhalten, aber der Fachwerksbau des oberen Stockwerks und die abgeschrägten Giebelspitzen lassen das ehrwürdige Alter des Hauses erkennen.


Einst war die große Heerstraße Magdeburg-Braunschweig, an der Erxleben liegt, eine bedeutende Handelsstraße, die von Holland über Rhein und Weser nach der Elbe führte. Später wurde sie eine der Hauptpost- und Zollstraßen. An dieser Straße war nun Erxleben ein Fuhrmannsort, der die Raststätte bildete für Fuhrleute und Pferde. Hier wechselte die Post ihre Pferde und für Waren und Gespanne mußte Zoll- und Wegegeld entrichtet werden. Diese Tatsachen gaben dem Gasthof, damals der Oberkrug genannt, seine Bedeutung. Unzählige Gäste aus aller Herren Ländern kehrten hier ein, um die Nacht zu verbringen und sich zu stärken für die Weiterfahrt am nächsten Morgen.

Lange Reihen schwerbeladener Planwagen, Frachtschiffe der Landstraße, zogen jahraus jahrein die Landstraße entlang, um kostbare Güter nach Westen oder nach Osten zu bringen. Sie waren die einzigen Verkehrsmittel für die Güter. Nach kannte man nicht die Segnungen der Eisenbahn, der Lastautos und der Flugzeuge.

Quarrend und quietschend öffneten sich die Tore des Gasthofes am Abend, wenn dem Wirte ein ohrenbetäubendes Peitschengeknall anzeigte, daß späte Gäste hier Unterkunft suchten für die Nacht. Donnernd rumpelten die Wagen über das Kopfpflaster in den Hof. In der verräucherten Gaststube saßen dann die Fuhrknechte um klobige Eichentische. Becher mit Branntwein und Bier kreisten in der Runde, aus den Tabakpfeifen stieg dicker Qualm zur Decke, und hinüber und herüber flogen derbe Scherzworte. Reiter erschienen vor der Schenke und verlangten durch das Klappfenster Bier und Wegzehrung, und dazwischen erschienen Landbewohner, um sich ängstlich zu erkundigen, ob die Post nach Magdeburg schon fort sei. Bis der Hausknecht dann abends erschien, Tische und Bänke beiseite räumte und Strohbünde herbeischaffte zum Lager für die Fuhrknechte. In den frühen Morgenstunden dann rumpelte die Karawane weiter auf dem Wege zum Rhein und nach Holland.

Zeiten und Menschen haben sich geändert, und jetzt tönt die Hupe des Autos vor dem Gasthof, und die Forderungen der Gäste legen Wert auf fließendes Wasser in den Fremdenzimmern, auf Telephonanschluß und das Morgenbad.


Die Chronik weiß aus der Geschichte des Gasthofes allerlei zu erzählen. Nach der ersten Urkunde hat der sogenannte Oberkrug in Erxleben schon 1639 bestanden, und die schrecklichen Zeiten des großen Krieges miterlebt. „Zur Weißen Rose" wurde er damals noch genannt, ein Name, der wahrscheinlich mit dem Wappen derer von Alvensleben zusammenhängt. Mehrfach wechselten die Besitzer, und einer von ihnen, der Oberkrüger Johann Nürrnberg, kam sogar zum Konkurs. Ein Gastwirt muß damals überhaupt ein geplagtes Menschenkind gewesen sein. Einmal war er leigeigen und mußte Zehnten geben, Fuhren leisten und andere Dinge verrichten. Hinzu kamen noch die harten Bedingungen der Verpachtung durch den gräflichen Herrn. Allerdings scheint aber auch die Aufsicht nicht allzustreng gewesen zu sein, denn sonst wäre ein großer Teil seiner Einnahmen sicher als Strafe in die Amts- und Ortskassen abgewandert. Das Haus war schließlich so baufällig, daß ein neues gebaut werden mußte, eben jenes Gasthaus, das heute noch in Erxleben steht. Görling, Sarpe, Clasen, Reinhart, Wallstave, Winkelmann und Elbe waren die Namen der Pächter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie alle hatten beträchtliche Abgaben an das Alvenslebensche Gut zu errichten. Erst am 17. März 1824 ging der Gasthof aus dem Besitz der Alvensleben in Privatbesitz über.

1833 erstand ihn der Ackermann Andreas Christian Hohbaum aus Uhrsleben käuflich. Hohbaum war ein Original und soll höchst grob im Umgang mit seinen Gästen gewesen sein. Damals war mit dem Gasthofe auch eine Salzniederlage verbunden, und viele alte Leute aus der Umgegend von Erxleben entsinnen sich noch heute, aus dem Hohbaumschen Gasthof einen Viertelzentner Salz geholt zu haben. Die Witwe Hohbaums heiratete 1879 den Fleischer und Gastwirt Ludwig Lühr. „Ludchen" Lühr soll ein feiner, edler Charakter gewesen sein, der aber auch ein passendes humorvolles Wort zur rechten Zeit anzuwenden verstand. Von seiner Ehefrau ist der Gasthof nun im Jahre 1905 auf den jetzigen Besitzer, Albert Jung und seine Ehefrau, Margarete geb. Lühr übergegangen.

Der alte Fachwerksbau des Gasthofs steht in einer idyllischen Umgegend. Von den Fenstern aus schweift der Blick auf den Schloßpark und die Schlösser derer von Alvensleben, die dem Dorfe Erxleben das Gepräge geben. In einem besonderen Artikel soll auf das Dorf und seine Schönheiten eingegangen werden.

Quelle: Ein in unserem Archiv vorhandener Zeitungsausschnitt.
Zeitung: unbekannt.
Datum: unbekannt, aus dem Kontext ergibt sich das Jahr 1926.

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