27.11.1939 - Klick auf die Briefseiten öffnet grosse Bilder - der Text folgt hier ganz unten

Im Bunker, 27.11.39

Liebe Hilde!
Gestern habe ich Deinen Brief erhalten. Sei dafür vielmals gedankt. Wie ich aus Deinem Brief gelesen habe, ist bei Euch alles in bester Ordnung, abgesehen von der vielen Arbeit, was ja sehr verständlich ist. Auch hier ist alles in Ordnung. Hoffentlich verdienst Du jetzt bei Frl. Jahns noch ein wenig. Durch unsere Bunkerzulage bekomme ich jetzt 2,20 M pro Tag. Damit kann man schon mal was anfangen. Das Erna zum Arbeitsdienst kommt, ist gar nicht schlecht. Um Herrn Arendts ist es ja schade, aber nicht zu ändern. Schade, das ich keine Gelegenheit zum Tischtennisspielen habe. Mit Kopfschützer, Handschuhen usw. braucht ihr Euch keine Sorge zu machen. Die haben wir schon in Bergen gehabt. Da war es ja auch kälter als hier. In den letzten Tagen war es hier allerdings sehr stürmisch, und unser Wintergarten war immer sehr verqualmt, weil wir im Trichter liegen und der Wind drückt den Qualm durch den Ofen in den Raum. Hauptsächlich dann, wenn die Tür aufgemacht wird. Gestern habe ich die ganze Übertragung des Länderspiels gehört. Ich war über das Ergebnis nach der angenehmen Seite überrascht. Bei uns bekommt jeder 8 Tage Urlaub. Wir haben das so vereinbart, daß die Familienväter Weihnachten Urlaub bekommen. Ich will zusehen, daß ich ungefähr am 16.1. Urlaub bekomme. Am Sonnabend war ich direkt am Rhein in vorderster Linie und habe die Franzosen rumlaufen sehen. Der Rhein ist da (uns gegenüber, also westlich) ungefähr 300 m breit. Das ganze Gebiet ist überschaubar, verschiedene Bunker waren schon geräumt. Augenblicklich bin ich stellv. Kantinier. Solange wie wir hier sind, haben wir schon über 30 M Reinverdienst. Jeden 2. Tag gibt es Rotwein, davon wird Glühwein gemacht, darin einen Kognac, und dann gehts rund.
Nun die besten Grüße an Alle sendet Euch
Euer Willi.

Hochkant steht: Nächstes Mal schreibst Du nicht 16984 sondern 16987!!!

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